Itchy – Das beste dreißigminütige Konzert aller Zeiten!

Indie & Alternative Punk

Wenn man ein Konzert aufgrund des Supports besucht, hat man eine Menge Vorteile. Die Konzerthalle ist noch nicht überfüllt, man findet noch Luft zum Atmen und ein freies Sichtfeld ist außerdem inklusive. So erging es mir gestern, den 09. Juli 2017, auf dem ersten Konzert von Itchy als Support von Bad Religion. Das beste dreißigminütige Konzert aller Zeiten!

Als Nachbar von Evanescence

Wenn man im E-Werk in Köln ein Konzert besucht, kann man davon ausgehen, ohne Probleme einen Parkplatz zu finden, wäre da nicht der Gig von Evanescene im benachbarten Palladium gewesen. Zum Glück war ich pünktlich genug vor Ort, dass mir dreißig Minuten Parkplatzsuche nicht das Konzert von Itchy versauen konnten. Nachdem ich 1 km entfernt endlich einen Parkplatz gefunden habe, wanderte ich Richtung E-Werk, huschte beim Presseeingang schnell an der Meute vorbei und ergatterte noch einen perfekten Platz im oberen Publikumsbereich. Dort gelang es gerade mal einer 1,60 m großen Frau mir den unteren Bildabschnitt meiner Insta-Story zu versauen. Nicht der Rede wert.

Bald ist es soweit…

Auf Punk-Konzerten wird in der Regel ja immer auf dem Boden gesessen, bevor das Konzert beginnt. Bei Florence and the Machine würden sich das die Fans höchstens erlauben, wenn sie sich am Rand der Halle befänden, doch im E-Werk saßen sie einfach alle.

Als das Licht sich irgendwie veränderte und die Uhr kurz vor Acht schlug, standen die ersten Zuschauer dann auf. Spätestens, als es anfing von Richtung Bühne aus zu brummen, standen auch die letzten Menschen auf ihren Füßen und das Konzert von Itchy konnte beginnen.

Itchy legt los

Ein dramatischer Einspieler von Clint Mansell leitete das Konzert ein. Orangefarbene Scheinwerfer blendeten die Zuschauer, das Itchy Banner erschien im goldenen Licht und dann ist irgendwann Schluss mit dem theatralischen Beginn und die Band betritt endlich die Bühne.

Der erste Song war der mitunter bekannteste Song von Itchy »Why Still Bother«. Als erstes fiel mir auf, dass der Sound perfekt abgemischt war. An dieser Stelle Kompliment an den Mischer, ich würde dich in Zukunft nur von oben erkennen, denn ich stand direkt über dir. Im Umkreis von zwei Metern um den Mischer herum befinden sich im Allgemeinen die besten Plätze, weil bester Sound.

Itchy, hüpft, rennt quer über die Bühne und versucht gelungen der Meute einzuheizen.

Aus meinem Blickfeld schien sich das Publikum keinen Zentimeter zu bewegen und alle hielten einen identischen Abstand von 30 cm ein. Noch.

Nach dem ersten Song kündigten Itchy eine Restzeit von 25 Minuten Spieldauer an, um die Fans nicht lange vom Headliner abzuhalten. Doch halt, hier, ich bin doch wegen euch hier! Halb so schlimm, denn Itchy weiß die halbe Stunde Spielzeit gelungen mit alten Klassikern und neuen Songs zu füllen und sie werden außerdem dem Job als Support, die Menge aufzulockern und die Vorfreude zu steigern, mehr als gerecht. Ein Konzert von 30 Minuten ist an sich auch gar nicht so verkehrt, man wird ja schließlich nicht jünger und die Schuhe sind eh viel zu umbequem. Weiter geht’s.

Das beste dreißigminütige Konzert aller Zeiten!

Es folgt eine der ersten neuen Singles von Itchy: »Keep It Real«. Sehr gut! Ich kann den Song sogar ein bisschen mitsingen… Im Kopf, ich bin ja schließlich voll der spießiger Konzertgänger. Zum Glück war mein Verhalten nicht die Regel und die ersten Party-People fingen an zu pogen, zu moshen und was man noch so macht, wenn das Bier endlich wirkt.

Dann kommen Itchy auf eine ganz besonders witzige Idee. Im Laufe des Songs »Keep It Real« wird ein Gitarrenkoffer in die Menge gereicht, worauf sich Sänger Sibbi (Sebastian Hafner) stellt und, nein, nicht surft, sondern einfach stehen bleibt und weiter seine Gitarre spielt. Eine großartige Lichtshow ist die Folge, die von Mich-Blenden zu Sibbi-Beleuchten hin und her wechselt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind die  Menschen in den vorderen Reihen enger als 30 cm zusammengerückt. Wollte ja keiner, dass Sibbi runterfällt.

Es ist noch lange kein Ende der hohen Unterhaltungskunst in Sicht.

Itchy animiert das Publikum dazu, Arm in Arm in die Luft zu springen, unabhängig davon, ob man sich kennt oder nicht. Zwischendurch wird auch noch eine weitere aktuelle Single namens »Nothing« performt, das neue Album wird für den 21. Juli 2017 angekündigt und der Roadie von Itchy tritt für eine kleine Scream-Unterstützung einem älteren Song bei. Verrückt alles.

Vor dem letzten Song der Band versucht die Band Itchy ihr Publikum zum pfeifen zu bewegen. Eine bestimmte Melodie sollte gepfiffen werden und die Zuschauer versagten kläglich. Peinlich peinlich. Bassist und Sänger Panzer (Daniel Friedl) sagte schnell den letzten Song an, mit der Begründung die Schande nicht als letztes Ereignis des Konzerts stehen zu lassen… Nicht dass es morgen in den Nachrichten steht.

Ich bin zwar kein Nachrichtendienst, aber ich verbreite die Schande des Kölner Publikums trotzdem mit Vergnügung. Ich gestehe an der Stelle allerdings ein, dass ich das Pfeifen selbst komplett versemmelt habe. Ist ja auch wirklich schwer mit einem fetten Grinsen im Gesicht ordentlich zu pfeifen.

Ende und Aus

Der letzte Song endete, die Band verließ die Bühne und das dreißigminütige Konzert war so schnell vorbei, wie es angefangen hatte. Endlich wieder hinsetzen.

Ich muss sagen, dass ich selten ein so guten Support erlebt habe, der es nicht nur weiß die Meute gelungen für den Headliner in Stimmung zu bringen, sondern außerdem weiß, in so kurzer Zeit eine so gute Set-List zusammenzuwursten.

Kompliment ihr Drei, das Konzert war super und verleitet mich auf alle Fälle eure kommende Headliner-Tour zu besuchen.

„All We Know“ Tour 2017

Die Daten für die Festival- und Support-Konzerte habe ich euch schon in diesem Beitrag zusammengestellt. Jetzt kündigte Itchy die Termine für ihre Headliner-Tour Ende des Jahres an.

23.11. 2017 – Wiesbaden (Schlachthof)
24.11. 2017 – Hamburg (Fabrik)
25.11. 2017 – Dresden (Puschkin)
26.11. 2017 – Berlin (So36)
30.11. 2017 – München (Backstage Halle)
01.12. 2017 – Wien (Arena)
03.12. 2017 – Nürnberg (Hirsch)
07.12. 2017 – Osnabrück (Kleine Freiheit)
08.12. 2017 – Jena (Kassablanca)
09.12. 2017 – Saalbach (Bergfestival)
14.12. 2017 – Bochum (Zeche)
15.12. 2017 – Utrecht (De Heling)
16.12. 2017 – Sneek (Bollwerk)
17.12. 2017 – Köln (Underground)
22.12. 2017 – Zürich (Dynamo)
23.12. 2017 – Stuttgart (LKA Longhorn)

Noch was…

Tut mir leid, der Beitrag ist immer noch nicht zu Ende. Eine Sache gibt es noch. Ich habe euch jetzt von einem Konzert von Itchy berichtet, teilte euch die Daten zu Tour und Album-Release mit und in die ersten beiden Singles konnte außerdem reingehört werden. Aber was kann ich denn dafür, wenn Itchy vor wenigen Tagen zusätzlich ihre dritte Single veröffentlicht hat, hm? Gar nichts, eben, aber ich kann etwas dafür sie euch nicht vorzuenthalten, denn geil isse.

© Titelbild: Albumcover – »All We Know« von Itchy

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