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Ih, die hat »Muschi« gesagt!

By on Februar 25, 2017

Ich möchte ein Zitat aus dem Buch »Feuchtgebiete« von Charlotte Roche anbringen, was mir sehr am Herzen liegt. (Also eher etwas weiter unten) Bitte nicht erschrecken, ihr wisst ja: Dieser Roman ist grenzwertig.

»Muschi«

– Charlotte Roche in Feuchtgebiete

Die traut sich was die Frau. Sagt einfach so »Muschi«. Spinnt die denn? Und dann hat diese Frau auch noch die Dreistigkeit dieses Zitat eins zu eins in ihren zwei weiteren Büchern zu wiederholen. Da fragt man sich doch echt, ob die keine neuen Ideen hat. Also wirklich.

Als ich mein Exposé für meinen noch nicht erschienenen Roman geschrieben habe (Wird, Lena, wird! Hab Geduld!), habe ich die zwei Seiten natürlich dem ein oder anderen zum Korrekturlesen gegeben. Ursprünglich kam am Anfang des Exposés das Wort »Vagina« vor. So etwas wie »lieber feuchte Vaginas als feuchte Augen…« oder so ähnlich. Einer meiner Korrekturleser sagte, dass er das Wort »Vagina« im Exposé nicht verwenden würde, das erinnere direkt an den Roman »Feuchtgebiete« von Charlotte Roche und das könne ich sicher nicht wollen.

Ernsthaft … Was soll ich dazu sagen? Abgesehen davon, dass das Buch von Roche in viel höheren Intimitätsdimensionen spielt als meine Geschichte es tut, finde ich es doch ganz schon traurig, dass die Wörter »Vagina« oder »Muschi« scheinbar so obszön in den Ohren vieler Menschen klingen, dass es verpönt wird. Klar können Geschlechtsorgane nicht in der gleichen Gelassenheit ausgesprochen werden wie andere Körperteile, Geschlechtsteile haben schließlich mit ekligen Sachen zu tun wie Sex und Klo. Widerlich. Aber bilde ich mir das nur ein, oder sagen die Leute leichter »Schwanz« und »Sack« als »Vagina« und »Schamlippe«? Wieso ist das so? Weibliche Geschlechtsorgane an die Macht! Aber egal, genug über Gleichberechtigung geredet.
»Nutten und Koks« ist ein Song von Großstadtgeflüster, aus dem ich fälschlicher in der Bücherkategorie zitieren möchte. Los geht’s:

»Ich würde gern ein Lied schreiben, das ›Nutten und Koks‹ heisst. Ich weiß aber gar nicht, ob man das darf. Das wäre ja dann wie Ficken, Pimmelkruste oder Muschisaft sagen. Da regen sich wieder alle auf. Dann läuft es nicht im Radio. Dann mach ich das mal lieber nicht.«

– Großstadtgeflüster in Nutten und Koks

Kommt gehört echt besser als gelesen, stelle ich gerade fest. Also hört euch den Song am besten mal an. Ist echt gut! Wo war ich? Ach so, ich hatte mich gerade aufgeregt, aber ich glaube ich belasse es zum Abschluss bei dem Songtextauszug. Top Sache!

PS: Ich habe dieses Bild mit der Feige ausgewählt, weil es eine leckere Frucht ist. Weiß ja nicht, was IHR da schon wieder assoziiert.

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2 Comments
  1. Antworten

    Daniel

    Februar 25, 2017

    Ist mit Muschi denn Vagina gemeint oder Vulva? Da scheiden sich ja die Gemüter bei den Bedeutungen. Vielleicht sollte man alles vereinheitlichen – dann können neue Wörter auch neue Stellungen in der Gesellschaft erlangen. HONIS & VAVA!

    • Antworten

      Lena B.

      Februar 25, 2017

      Auf solche spezifischen Fragen bin ich leider nicht vorbereitet, aber wenn du mich fragst, würde ich dem Begriff „Muschi“ die Vulva zuordnen. Ich kann aber selbstverständlich nicht für Frau Roche sprechen. Ich überlasse es ganz deiner Deutung und Interpretation, was du unter dem Wort „Muschi“ verstehst und wie du es benutzen möchtest. (Also sowohl buchstäblich, als auch metaphorisch) Du hast aber vollkommen Recht: Jeder Mensch weiß, was’n Schwanz und was Hoden sind, aber bei Vulva müssen alle erstmal überlegen. Verrückte WELT!

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