Kolumne

Anfangen, aber nicht zu Ende bringen — besser ist das!

By on Februar 28, 2017

»Denn klei­ne Bau­wer­ke kön­nen von dem been­det wer­den, der sie zuerst geplant; die gro­ßen, die wah­ren aber über­las­sen es immer der Nach­welt, den Schluß­stein ein­zu­fü­gen. Gott bewah­re mich davor, daß ich je etwas voll­ende. Dies gan­ze Buch ist nur ein Ent­wurf — ach, nur der Ent­wurf eines Ent­wur­fes. Oh! Zeit, Kraft, Geld, Geduld.«

- Her­man Mel­vil­le in Moby Dick

 

Die­ser Blog­post ist nur ein Ent­wurf eines Ent­wurfs. Das sei an die­ser Stel­le schon­mal fest­ge­hal­ten.

Ihr soll­tet die­ses Zitat auf jeden Fall auf­schrei­ben, abfo­to­gra­fie­ren, snap­pen oder Ins­tasto­ry­en, … Insta­nen, … Instas­nap­pen … (Das hat Insta­gram bis­her noch nicht zu Ende gedacht). So oder so ist es DAS Klug­scheiß­erzi­tat, das ihr jedem vor den Latz knal­len könnt, der euch auf den Sack/die Kli­to­ris geht.

Las­sen wir mal kurz außer Acht, dass Her­man Mel­vil­le sehr wohl das Buch zu Ende geschrie­ben hat und damit ein Meis­ter­werk der Welt­li­te­ra­tur hin­ter­las­sen hat. Der Gute wuss­te nur lei­der nie etwas von sei­nem Glück. Auf­grund sei­ner zu dama­li­gen Zei­ten sehr moder­nen Ansich­ten, war die­ser Roman nie ein Knal­ler im 19. Jahr­hun­dert. Das kam alles erst spä­ter, als die Mensch­heit irgend­wann auf Sto­rys über Hei­den klar kam. So gese­hen stimmt sei­ne Theo­rie ja dann doch wie­der: Er hat das gro­ße Werk ange­fan­gen und sei­ne Leser aus dem 20. und 21. Jahr­hun­dert haben es gewür­digt und letzt­end­lich zu dem gemacht, was es heu­te ist — ein Klas­si­ker. Trotz­dem, las­sen wir sei­nen Erfolg mal außer Acht. Klei­ne Bröt­chen backen ist doch immer sinn­voll, oder? Wer hoch fliegt kann auch tief fal­len. Wer ein­mal lügt, dem … nee Moment, das war ein ande­res The­ma. Egal, Sprich­wör­ter lie­gen mir nicht son­der­lich gut, aber ihr wisst wor­auf ich hin­aus will.

Wie eini­ge von euch wis­sen, habe ich tat­säch­lich schon ein Buch zu Ende geschrie­ben. So wirk­lich »been­det« wird es aller­dings erst sein, wenn es gedruckt ist und so wirk­lich WIRKLICH »been­det« wird es wahr­schein­lich NIE sein, weil ich spä­tes­tes in einem Jahr den­ken wer­de: Was hast’n da ver­zapft!

Pro­jek­te oder Arbei­ten been­den tu ich eigent­lich IMMER. Ja, ohne scheiß, so ein Drecks­stre­ber bin ich. Ich habe sogar neu­lich mein Alle-Alben-bei-Itu­nes-mit-Bild-ver­se­hen-Jah­res­pro­jekt zu Ende gebracht. OHNE SCHEIß! All mei­ne Musik ist sor­tiert und bebil­dert. WELCHER VOLLIDIOT TUT SOWAS? Ich! Weil ich, ich glau­be schon fast zwang­haft, alles zu Ende brin­gen muss, was ich anfan­ge. Wenn ich es dann been­det HABE, ist es aber eigent­lich IMMER weni­ger spek­ta­ku­lär, als ich gehofft habe. Itu­nes habe ich sage und schrei­be zwei Tage aktiv genutzt und mich auf mei­ne bebil­der­te Musik gefei­ert, um dann wie­der Musik zu strea­men. Geil! Hab aber wie­der was Neu­es zum Ange­ben auf Par­tys. Das war’s wert. Neben Itu­nes zieht sich die­ses Sche­ma auch durch mein Stu­di­um, mei­ne Hob­bys, mein Leben. Kurs­ar­beit zu Ende gebracht — schön, und jetzt? Stu­di­um zu Ende gebracht — macht kei­nen Spaß mehr, mache jetzt was ande­res. Mit Band Musik­vi­deo ver­öf­fent­licht — mehr geht nicht, also nicht wei­ter stres­sen. (Hof­fent­lich liest das mei­ne Band nicht) Mei­ne Bezie­hung — Tja, das geht erst zu Ende wenn ich ster­be, sonst ist es nicht voll­endet oder? (Hof­fent­lich liest das mein Freund)

Aber wahr­schein­lich liegt das ein­fach nur dar­an, dass mit »Etwas been­den« auch auto­ma­tisch ein inne­rer Abschluss damit ein­her­geht und es eben ein­fach fer­tig ist! Danach stellt man das Buch, das Zeug­nis und das Band­fo­to ins Regal und kann das spä­ter sei­nen Enkel­kin­dern zei­gen. Da wären wir also wie­der bei dem Stich­punkt »Prah­len«. Wozu tut man sich all das an? Für sich, bestimmt. NEIN! ZUM ANGEBEN! Nein, nur Spaß. Ich ruf schnell mei­ne Mama an und erzäh­le ihr, dass ich erfolg­reich einen Blog­post zu Ende geschrie­ben habe, ohne wirk­lich zu wis­sen, wie man »Blog­post« eigent­lich schreibt.

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3 Comments
  1. Antworten

    Milena

    März 2, 2017

    Ich den­ke es ist durch­aus eine gute Eigen­schaft Din­ge zu Ende brin­gen zu wol­len. Und wenn man bei klei­nen Bau­wer­ken schon­mal übt, dann kann man den­ke ich auch gro­ße, oder zumin­dest mit­tel gro­ße irgend­wann zu Ende brin­gen. Wahr­schein­lich muss man, wenn man die­se Eigen­schaft hat, immer am liebs­ten ALLES zu Ende brin­gen zu wol­len, sich trotz­dem dar­in üben zu ent­schei­den, wel­che Sachen man auch wirk­lich zu ende brin­gen WILL. Ich ken­ne die­sen Drang alles zu Ende brin­gen zu wol­len auch sehr gut, habe aber auch gemerkt, dass es manch­mal super hilf­reich ist Pro­jek­te im Kon­text zu sehen, zu über­le­gen, ob es da ande­re Pro­jek­te gibt, die man viel­leicht noch viel lie­ber zu Ende brin­gen oder auch anfan­gen möch­te. Dann kann Weg­le­gen kön­nen durch­aus auch eine gute Eigen­schaft sein- auch wenn das natür­lich sehr viel weni­ger zufrie­den­stel­lend ist =).

    • Antworten

      Lena B.

      März 2, 2017

      Hal­lo Mile­na 🙂
      Dan­ke für dei­nen Kom­men­tar 🙂
      Ja, da sagst du was. Etwas bei­sei­te zu legen, muss auch gekonnt sein und ist manch­mal auch wich­tig. Wenn man sich zB in Pro­jek­ten ver­rennt, zu sehr fest­beißt, obwohl es zu nichts führt, muss man sich auch mal zusam­men­rei­ßen und zuge­ben, dass man es viel­leicht abbre­chen soll­te. 🙂

  2. Antworten

    Susanne

    März 6, 2017

    Tol­les Zitat

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