Corona-Krise: Wie kann ich helfen? - Der Guide für egoistische Helfer*innen
DIY Kolumne

Corona-Krise – Wie kann ich helfen?

By on April 2, 2020

Du bist zu Hause. Kontaktverbot, Langeweile, Hausarrest, endlich Zeit für dich selbst, Zeit zum aufräumen, Projekte aufzuarbeiten, das neue Spiel zu zocken. Vielleicht tanzt dir dein Kind auf der Nase herum, du bangst um deine berufliche Existenz, um deine Gesundheit, schließt dich zu Hause ein.

Anderen helfen? Wann denn das? Du kannst nicht helfen und auch wenn, weißt du nicht wie.

Von Anfang an sind gewisse Themen klar. Man sollte Zuhause bleiben, sich die Hände regelmäßig waschen und nicht so viel Klopapier kaufen. Leider ist das nicht für jede*n selbstverständlich, aber in meiner persönlichen Blase ist es inzwischen angekommen.

Einige denken sich dann: »Viel mehr kann ich sowieso nicht machen.« Die Gründe sind häufig verständlich. Seien es die Kinder, die einen auf Trab halten, der Beruf oder auch einfach die gewonnene Freizeit, die man für sich nutzen möchte.

Doch in jedem dieser Fälle bist du in der Lage einen Beitrag zu leisten. Du kannst ohne Zeitaufwand deinen Mitmenschen helfen und dabei im gesunden Maß egoistisch bleiben. Ich zeige dir wie.

Wieso eigentlich helfen?

Wenn man die Nachrichten verfolgt wird einem ganz schlecht. Man bekommt Angst, was uns in Deutschland noch alles bevorsteht und trauert um die bisherigen Opfer des Corona-Virus.

Man fühlt sich so unbeholfen, wenn man mitbekommt, dass Flüchtlinge im Stich gelassen und Obdachlosenhilfen eingeschränkt werden. Kleinunternehmer*innen bangen um ihre Existenz und selbst Leute, die eher egoistischer Natur sind, bekommen Angst, dass der Lieblingsladen um die Ecke schließen muss.

An jeder Ecke scheint Hilfe nötig zu sein und man selbst sitzt Zuhause und trägt seinen Teil durch Nichtteilhaben an der Öffentlichkeit bei.
Meiner Meinung nach geht da noch mehr und ich habe einen bescheidenen Weg gefunden, wie man etwas beitragen kann, ohne viel zu verändern.

Wie kann ich helfen?

Fangen wir ganz bescheiden in den eigenen vier Wänden an, denn Fakt ist: Wir sollten Zuhause bleiben! Man könnte meinen, dass man von Zuhause aus nicht viel beitragen kann, doch das stimmt nicht.

Zeit für Shopping

Das klingt doch schonmal gar nicht schlecht. Einkaufen müssen und wollen wir alle und das geht zum Glück auch von Zuhause aus. Jetzt spreche ich natürlich nicht von der fatalen Amazon-Einkaufsliste, denn wir wollen Menschen ja HELFEN und sie nicht ausbeuten.

Deshalb sage ich: Kaufe ein, wenn du die Möglichkeit dazu hast! Denn ein großes Problem ist die aktuelle Wirtschaft. Viele Läden haben geschlossen und Kleinunternehmer*innen bangen um ihre Existenz.

Kaufe ein! – Thema: Alltagsgegenstände

Wir alle brauchen oder wollen früher oder später einmal irgendwelche Sachen kaufen, seien es notwendige Gegenstände oder Luxusartikel: Kleber, ein Buch, Seife, was auch immer. (Wir brauchen auch Essen, aber dazu komme ich später).

Analysiere doch mal deinen Alltag unter normalen Umständen. Wo kaufst du normalerweise dein Zeug? Welche Läden gehören zu deinem Leben und sollen auch zukünftig ein Teil davon sein?

Fange nicht an, alles bei Amazon zu bestellen. Erkundige dich stattdessen, ob die Buchhandlung um die Ecke oder der Schreibwarenladen in der Innenstadt inzwischen auch liefert. Viele Läden bieten das nämlich an, um ihr Geschäft am Laufen zu halten. Wenn du Alltagsgegenstände benötigst, versuche dabei lokale Läden zu unterstützen, indem du weiterhin bei ihnen einkaufst. So kannst du auch sicher gehen, dass dir die Läden zukünftig erhalten bleiben.

Investiere in deine Zukunft – Thema: Dienstleistungen

So viel zum Thema: Sachen. Doch was ist mit Dienstleistungen? Der Frisörbesuch, die Physiotherapie oder der Tanzkurs. Eine Frisur lässt sich schlecht liefern und wir müssen wohl oder übel eine Zeit lang auf Muskel- und Haarbehandlungen verzichten. Wie soll man also diese Läden unterstützen?

Viele Dienstleister*innen bieten aktuell Gutscheine an. Durch Erwerb von Gutscheinen kannst du in die Zukunft investieren, sowohl in deine eigene als auch die des Dienstleisters. Wenn du Möglichkeit hast, ruf doch einfach Mal in dir bekannten Läden an oder besuche die Plattform Localsupport. Dort findest du viele Läden, die in deiner Umgebung Gutscheine anbieten.

Allgemein bieten auch viele Unternehmen, Kneipen, Restaurants oder Einkaufsläden die Möglichkeit an, etwas zu spenden. Besuche doch mal die Internetseite deiner liebsten Läden und schau, ob und wie du sie am besten unterstützen kannst.

Gönn‘ dir was! – Thema: Veranstaltungen

Das ist wohl der schönste Tipp, wie man anderen helfen kann: Gönne dir etwas!

Natürlich haben in der jetzigen Situation nicht alle die Option, sich etwas zu gönnen, um die Wirtschaft ein bisschen anzukurbeln. Doch wer die Möglichkeit hat, sollte es tun. Neben den lokalen Läden gibt es übrigens auch viele Online-Shops, die aktuell um ihr Geschäft bangen müssen.

Ich spiele allerdings auf etwas anderes an. Sämtliche Events wurden verschoben oder gar gecancelt. Für die Besucher*innen ist es kein Drama, ein paar Monate länger auf ein Konzert zu warten, doch was ist mit den Künstler*innen und Veranstalter*innen? Denen gehen Monate ihrer primären Einkommensquelle flöten.

Unterstütze in der Zeit die Musiker*innen auf anderen Weg. Lass Spotify Spotify sein und kaufe dir stattdessen eine Schallplatte, eine CD oder einen Musikdownload. (Bestelle auch hier wieder NICHT bei Amazon!)

Auch die Locations dürfen dabei nicht vergessen werden. Sei es die kleine Kneipe in der Seitenstraße oder die große Halle im Industriegebiet. Hinter jedem Konzert stecken noch mehr Menschen, als nur der*die Musiker*in selbst. (Rene von Renes Redekiste bewirbt hier zum Beispiel eine Spendenaktion für einen Club in Hamburg und erzählt euch ein bisschen mehr über diese Thematik.)

Gehe deinen Hobbys nach! – Thema: Aktiv Helfen

Wer kein Geld ausgeben möchte, hat auch andere Optionen, um zu helfen. Backst du zum Beispiel gerne? Oder liegt dir eher das Nähen? Bastelst und malst du momentan viel mit deinen Kindern oder arbeitest gerne im Garten? Ich sag dir was, in jedem dieser Fälle kannst du der Gesellschaft in der aktuellen Krise helfen.

Nähen

Wenn du wie ich die Zeit gerne zum Nähen nutzt, lege dein aktuelles Projekt doch mal zur Seite und nähe eine Atemschutzmaske, oder zwei oder drei. Du kannst sie für dich selbst nutzen, deinen Nachbarn schenken oder Familie und Freunden zusenden. Anleitungen findest du inzwischen sehr viele im Internet. Ich empfehle eine Nähanleitung, die ohne Gummibänder auskommt (wie meine Maske auf dem Beitragsbild), damit man sie bei 60° waschen kann. Zudem ist es wichtig, für eine bessere Passform einen Draht einzunähen. Es gibt Anleitungen mit und ohne Einschubfach für zusätzliche Filter. Ich persönlich habe eine Mischung aus mehreren Anleitungen für meine Masken angewendet.

Allgemein sollte man die Maske nach jedem Gebrauch waschen! Wiege dich mit einer Maske nicht zu sehr in Sicherheit, sieh es lieber als Ergänzung. Das bedeutet: Halte weiterhin Abstand zu deinen Mitmenschen, fasse dir nicht ins Gesicht (auch nicht zum Maske zurecht rücken) und gehe auch mit Maske nur aus dem Haus, wenn es unbedingt sein muss.

Basteln und Malen

Ob du nun gerne selbst bastelst oder deine Kinder damit ihre Zeit totschlagen. Die Ergebnisse kannst du wunderbar per Post an deine Familie schicken, um sie in der aktuellen sozialen Isolation zu unterhalten. Die Oma freut sich sicher über eine selbstgemachte Osterkarte und ist über jede Abwechslung dankbar. Vielleicht schmeißt du auch einen lieben Gruß in die Briefkästen der Nachbarn. Ein Lächeln verschenkst du damit auf alle Fälle und du trägst dazu bei, dass sich Menschen nicht mehr so einsam fühlen. (Anrufen geht übrigens auch.)

Gärtnern

Solltest du deinen eigenen Garten oder Balkon inzwischen genug verschönert haben, kannst du deine Fähigkeiten auch gemeinnützig einsetzen. Die Krise bringt nämlich auch die Landwirte an ihre Grenzen. Es gibt verschiedene Portale, bei denen du dich registrieren und aktiv bei der Ernte helfen kannst: (Bauer sucht Hilfe, Land-Arbeit und Das Land Hilft).

Die Arbeit wird übrigens normal bezahlt, also kann es auch eine gute Ergänzung zur Zeit-Arbeit sein.

Lehren und Nachhilfe

Eine weitere Empfehlung: Corona-School. Dort haben Student*innen die Möglichkeit Schülern digital Nachhilfe zu geben und damit die semester- und schulfreie Zeit zu überbrücken.

Jetzt darfst du ordentlich Schlemmen! – Thema: Restaurants

Hmmm, Essen! Das mögen wir doch alle. Der Restaurantbesuch fällt aktuell nur leider flach, doch das bedeutet nicht, dass man diese Läden nicht auch unterstützen kann. Selbst Restaurants, die normalerweise kein Essen ausliefern, bieten inzwischen diese Möglichkeit an. Informiert euch gezielt über eure liebsten Restaurants und bestellt dort vielleicht euer nächstes Abendessen.

Kaufe Essen! – Thema: Nachbarschaftshilfe

Wer nicht jeden Tag Essen bestellt, muss früher oder später in den Supermarkt. Versuche dabei eine gute Balance zwischen »genug, aber nicht zu viel« zu finden. Fange nicht an zu bunkern, aber versuche trotzdem deine Mahlzeiten so gut zu planen, dass du nur einmal die Woche einkaufen musst.

Wenn du schon auf dem Weg bist, kannst du auch deine älteren Nachbarn fragen, ob du ihnen etwas mitbringen darfst. Wer nicht direkt klingeln möchte, kann einen Aushang in den Hausflur hängen mit dem Angebot zukünftige Einkäufe zu erledigen oder zum Beispiel auch mit dem Hund Gassi zu gehen.

Versucht dabei euren Nachbarn nicht das Gefühl zu geben, sie könnten zur Last fallen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Menschen gerne unnötig zurück halten und einen nicht überstrapazieren wollen. Tauscht Handynummern aus und bringt vielleicht auch Mal ungefragt etwas Leckeres mit. So können sich eure Nachbarn daran gewöhnen und fühlen sich bei der Hilfeannahme wohler.

Übrigens gibt es auch für diese Fälle tolle Plattformen, die einem den direkten Kontakt zu Helfenden und Hilfesuchenden erleichtert. Eine Empfehlung ist dabei nebenan.de.

Sortiere mal wieder richtig aus! – Thema: Sachspenden

Die viele Zeit Zuhause kann man neben seinen Hobbys und ausgiebigen Mahlzeiten auch für ein bisschen Ordnung nutzen. Die Corona-Krise fällt perfekt auf die Frühjahrsputz-Saison und der ein oder andere sortiert vielleicht ordentlich aus. Klamotten, die alte Campingausrüstung, Heimtextilien – Hast du zu viel davon? Über das Aussortieren von Klamotten habe ich hier schon einen Beitrag veröffentlicht, doch rate mal, wer die aussortierten Sachen aktuell am meisten braucht.

Eine Menschengruppe wird in der jetzigen Situation leider gerne vergessen: Die Menschen, die nicht Zuhause bleiben KÖNNEN, weil sie keins haben.
Das Schlimme an Covid-19 ist nicht nur, dass den Obdachlosen der Pfand von Passanten fehlt. Tafeln und andere Obdachlosenhilfen haben geschlossen und die Menschen wissen einfach nicht mehr wohin mit sich und ihrem Hunger.

Es gibt für diese Situation zwei Ansätze. Zum Einen kannst du dich informieren, welche Organisationen deiner Stadt weiterhin tätig sind. An diese Organisationen kann man in der Regel spenden. Für Düsseldorf ist es zum Beispiel das fiftyfifty. Wer sich vor die Tür traut, kann dort einen Teil seiner Hamsterkäufe oder die aus Langeweile aussortierten Zelte, Decken oder Klamotten hinbringen.

Gib noch mehr Geld aus! – Thema: Geldspenden

Obdachlosen-Hilfen nehmen meistens auch gerne Geldspenden an. Im Fall von fiftyfifty kann man genau hier einen finanziellen Beitrag leisten. Und wenn ich sage „hier“, meine ich mal wieder von Zuhause aus.

Spenden kannst du in vielerlei Hinsicht. Wie oben beschrieben brauchen aktuell viele Menschen und Läden deine Unterstützung. Neben den Unternehmen und Obdachlosen sind zum Beispiel auch Flüchtlinge diejenigen, die unter der Corona-Krise besonders leiden und sich vor allem nicht so gut schützen können. Abstand halten und Hände waschen ist aus Platz- und Wassermangel einfach nicht möglich. Auch die medizinische Versorgung ist mehr als mangelhaft.

Ich liste am Ende des Beitrags ein paar Organisitationen auf, an die man in der Krisen-Zeit (und auch allgemein) gut spenden kann.

Fazit – Der eigene Radius

Jeder Mensch hat seinen eigenen Radius, den er wahrnehmen bzw. wahrhaben kann und in dem er bereit ist bzw. die Möglichkeit hat zu helfen.

Der Mittelpunkt ist man erst einmal selbst, ganz klar. Das ist auch gut so! Viele Menschen haben in der aktuellen Situation genug mit sich selbst zu tun, bangen um ihre Existenz, ihre Gesundheit oder ihre Nerven (mit Kind an‘ Backen). Der maximale Radius an Hilfsbereitschaft geht in diesem Fall bis zur Nachbars-Tür, vielleicht sogar nur bis zur eigenen und das ist absolut nachvollziehbar.

Doch wer einen größeren Radius hat, kann weiter gehen. Vielleicht bis zum Laden um die Ecke oder zum Obdachlosen in der Innenstadt. Für diese Menschen ist dieser Beitrag hoffentlich eine erste Inspiration, wie man helfen kann.

Manche haben aber vielleicht einen noch größeren Radius. Vielleicht reicht er bis ins Nachbarland oder sogar um die ganze Welt. In diesem Fall kann man natürlich NOCH mehr tun! – Durch Spenden für Flüchtlinge und Krankenhäuser oder durch aktive Hilfe bei Essensausgaben, in Organisationen oder in medizinischen Einrichtungen.

Am Ende des Beitrags liste ich nochmal sämtliche Organisationen auf, an die man aktuell gut spenden kann und wo man sogar teils als aktive*r Helfer*in etwas beitragen kann.

Ich hoffe, dass euch dieser Beitrag eine Hilfestellung ist, um wiederum anderen zu helfen. Erzählt mir gerne, wie ihr euren Mitmenschen durch die Krise begleitet. Habt ihr weitere Ideen, wie man mit wenig Aufwand etwas beitragen kann? Gibt es besondere Spendenaktionen oder Organisationen, die ich in der Liste ergänzen sollte? Teilt es mir unbedingt mit, auch gerne unter diesem Beitrag.

Link-Liste

Nachbarschaftshilfe:

Nachhilfe: 

Ernte-Hilfe: 

Obdachlosen-Hilfe:

Flüchtlingshilfe:

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