Juli - Immer wenn es dunkel wird
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Juli – Immer wenn es dunkel wird

By on Februar 24, 2017

Dies ist eine fiktive Geschichte zu dem Song »Immer wenn es dunkel wird« von Juli.

Der Song »Immer wenn es dunkel wird«

Die Geschichte

Ein Raum. Ein Kühlschrank. Ein Bild von uns Zwei, am Kühlschrank klebend. Wir Beide. Zusammen. Auf dem Foto, so elendig glücklich.

»Ich hab dich ausgelöscht
Anstatt dich nur zu vergessen
Deinen Zettel am Kühlschrank hab ich aufgegessen«

Ich reiß das Foto ab. Es ist ein Polaroid. Kein Echtes, nur ein Nachgemachtes, wie man sie im Internet bestellen kann. Ich stecke es in den Mund. Kaue drauf rum. Schmeckt scheiße, hab aber keine andere Wahl.

»Es war schon lange vorbei
Es war schon längst Zeit zu gehen
Deine Vorstellung von Liebe tut mir nicht mehr weh«

Ich drehe mich um. Immer noch kauend. Ist zäh dieses eklige Stück Papier. Ich laufe durch den leeren Raum. Will aus dem Haus raus, zu viele Erinnerungen, auch wenn nur noch der Kühlschrank hier im Raum steht.

»Ich kann nach vorne schauen
Ich hab mein Herz zurück
Das wollte ich dir nur sagen
Doch du hast mich weggedrückt«

An der Eingangstür klebt von Innen schon wieder so ein Foto. Ich reiße es ab, bevor ich das Haus verlasse. Dieses eklige Foto. Ich zerreiße es. Lass es fallen. Ich brauche das nicht mehr.

»Als wäre ich ein Fremder
Als wäre ich irgendwer
Und wenn man’s sagen will
Dann fällt das Reden schwer«

Ich laufe vom Haus weg. Schnellen Schrittes. Da liegt schon wieder eins. Mitten auf der Wiese. Ich hebe es auf. Ich schaue zurück zum Haus. Die meisten Häuser haben normale Fassaden. Dieses nicht. Meins nicht. Meins ist tapeziert mit Polaroidimitaten.

»Was soll man auch schon sagen
Wenn man das Wichtigste verliert
Ich kann nicht mehr so tun
Als wär‘ das alles nicht passiert«

Überall diese Fotos. Bilder von uns Zwei, am Haus klebend. Wir Beide. Zusammen. Auf den Fotos, so elendig glücklich.

»Als wär‘ das alles nicht passiert«

Ich zerknülle das Foto in meiner Hand. Knautsche es zusammen zu einem Ball. Ich werfe, werfe den Ball aus dem Polaroidimitat auf das Haus. Ich mache das Haus kaputt.

»Immer wenn es dunkel wird
Und alles auseinander fällt«

Doch das Haus fällt nicht in sich ein und nimmt die Polaroidimitate mit sich. Stattdessen entsteht eine Fontäne aus Fotos. Die Fotos verteilen sich auf der ganzen Welt, fallen nieder auf mich, auf die Wiese vor mir.

»Wird mir unaufhaltsam klar
Dass das mit uns was Gutes war«

Es will nicht aufhören. Ich habe einen Dauerregen aus Polaroids verursacht. Sie fallen und fliegen überall um mich herum. Ich schaue den Bildern nach, wie sie fallen. Unmöglich für mich, sie alle zu zerstören.

»Ich nehm‘ die Fahnen ab
Ich reiss die Fenster auf
Mir tun die Haare weh
Ich schmeiss‘ die Geister raus«

Der Regen hat aufgehört. Die Welt ist komplett bedeckt von Polaroids. Überall diese Fotos. Bilder von uns Zwei, auf der Welt klebend. Wir Beide. Zusammen. Auf den Fotos, so elendig glücklich.

»Ich will an nichts mehr denken
Ich will was Neues greifen
Doch die Gedanken hängen fest
In alten Endlosschleifen«

Ich laufe durch die bildertapezierte Welt. Barfuß über den Boden aus Polaroids. An Bäumen vorbei. Die Stämme von Fotos bedeckt, Blätter aus Fotos. Ein Apfel mit unseren Gesichtern drauf. Ich greife nach einem Apfel und beiße hinein. Kaue drauf rum. Schmeckt scheiße, habe aber keine andere Wahl.

»Was will man auch schon haben
Wenn man das Wichtigste verliert
Ich will nicht mehr so tun
Als wär‘ das alles nicht passiert
Als wär‘ das alles nicht passiert«

Ich schmeiße den mit Fotos verunstalteten Apfel auf den Boden. Auf den Boden aus Fotos.

»Immer wenn es dunkel wird
Und alles auseinander fällt
Wird mir unaufhaltsam klar
Dass das mit uns was Gutes war«

Der Boden bildet eine Fontäne aus Polaroids. Es ist wieder ein Regen aus Fotos, nur von unten nach oben. Es sieht aus wie ein Tornado. Die Bilder fliegen, toben um mich herum.

»Und immer wenn es stiller wird
Nichts mehr mich in Atem hält
Dann tut es weh
Und mir wird klar
Dass das mit uns was Gutes war«

Aus dem Tornado aus Polaroids scheint etwas zu entstehen. Gestalten. Echte Menschen.

»Die Geister kommen aus allen Ecken
Um mich immer wieder aufzuwecken«

»Und der Gedanke an dich bleibt
Ja, der Gedanke an dich bleibt«

Es sind die Personen von den Fotos. Du und ich. Wir Beide. Zusammen. Nicht mehr nur auf den Fotos, so elendig glücklich.

»Geister hängen in allen Ecken
Um mich immer wieder aufzuschrecken
Und der Gedanke an dich bleibt
Der Gedanke an dich bleibt«

Wir tanzen. Umgeben von Bildern. Bestehend aus Bildern. Wir existieren aus den Erinnerungen, wurden geformt aus den Polaroids. Es sind nur unsere Silhouetten, wie sie glücklich sind, so elendig glücklich.

»Immer wenn es dunkel wird
Und alles auseinander fällt
Dann tut es weh
Und mir wird klar
Dass das mit uns was Gutes war«

Ich renne hindurch. Durch den Sturm der Fotos. Ich bin umzingelt von den Fotos, wie sie überall kleben, überall fliegen, überall sind.

»Was nie wieder kommt«

Ich komme an eine Klippe, bedeckt mit Polaroids. Schaue hinab in ein Meer aus Fotos.

»Was nie wieder kommt«

Es dauert nicht lang und ich beschließe zu springen. Rein ins Verderben. Rein ins Meer aus uns.

»Was nie wieder kommt«

Ich falle, umzingelt von Polaroidimitaten. Glückimitaten. Wir. Zusammen.

»Was nie wieder kommt«

Ich lande in einem riesigen Haufen von Fotos.

»Was nie wieder kommt«

Dort sitze ich. Schaue mich um. Schaue auf die neue Welt aus Polaroidimitaten.

»Was nie wieder kommt«

Daran muss ich mich jetzt wohl gewöhnen.

»Was nie wieder kommt«

Ich nehme eins der Fotos. Ich schaue es mir an. Ich will es nicht zerstören, wie die anderen. Ich schaue es mir an. Die anderen habe ich mir nicht genau angeschaut. Dieses schaue ich mir an. Es sind wir.

»Was nie wieder kommt«

Ein Bild von uns Zwei, in meiner Hand liegend. Wir Beide. Zusammen. Auf dem Foto, so wunderbar glücklich.

»Was nie wieder kommt«

 

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