Tomberlin - »At Weddings«
Indie & Alternative Kolumne Singer-Songwriter & Folk

Tomberlin — Zwischen Selbstzweifel und Selbstfindung

By on August 10, 2018

Manch­mal kommt bestimm­te Musik wie geru­fen. — »Der Song beschreibt mein Leben!!!« — Das schrei­en sie doch immer alle, oder? Heu­te muss ich das wohl eben­falls schrei­en. Tom­ber­lin ver­öf­fent­lich­te näm­lich heu­te ihr Debüt­al­bum »At Wed­dings«* und stimmt mit feder­leich­ten Klän­gen ihre Hörer nach­denk­lich. So auch mich. Die Tex­te bewe­gen sich zwi­schen Selbst­zwei­fel und Selbst­fin­dung und bil­den den per­fek­ten Sound­track, um ein­mal tief in sich hin­ein zu hören.

Wohin und mit wem?

Wo will ich hin? Was wün­sche ich mir für mei­ne Zukunft? Wer bin ich über­haupt? — Klas­si­sche Fra­gen, die man sich als Mitt­zwan­zi­ger stellt… und sobald man glaubt, einer Ant­wort näher zu kom­men, schlei­chen sich direkt neue Fra­gen ein: Ist das wirk­lich, was ich will? Und wen neh­me ich mit auf mei­ne Rei­se?

Wäh­rend ich am Han­dy Trost auf­grund einer Tren­nung spen­de, like ich auf Face­book neue Hoch­zeits­fo­tos. Ich sehe Ver­lo­bungs­rin­ge, trau­ri­ge Smi­leys und pos­te selbst eine paar Fra­ge­zei­chen. Buch­stäb­lich sit­ze ich zwi­schen all die­sen Men­schen und ihren Ent­schei­dun­gen und fra­ge mich selbst, wel­che Wege wohl auf mich so war­ten.

Ich bin nicht allein!

Selbst­zwei­fel und der ewig andau­ern­de Weg der Selbst­fin­dung ist wohl nicht allein mein Pro­blem. Tom­ber­lin scheint es ähn­lich zu gehen. Ihr neu­es Album greift genau die­se The­ma­tik auf und beschäf­tigt sich mit den gro­ßen Fra­gen der Selbst­fin­dung.

Tomberlin

Tom­ber­lin stellt auf ihrem Debüt­al­bum »At Wed­dings«* die Lie­be, das Sein und auch ihren Glau­ben in Fra­ge.

Die ers­ten drei Sin­gle-Aus­kopp­lun­gen gehö­ren alle­samt zu den High­lights des Albums, wobei wohl das gesam­te Album ein ein­zi­ges High­light sein dürf­te.

»Self-Help«

Zu mei­nen Lieb­lings­songs gehört auf jeden Fall »Self-Help« und das nicht nur, weil im Text eine Flie­ge mit einem Selbst­hil­fe­buch erschla­gen wird.

Tom­ber­lin betet für das ers­te fünf­tel eines Jahr­hun­derts, für den Anfang vom Ende, für das Licht in den Augen und nicht für die Trä­nen, die her­aus fal­len.

»I used the self-help book
To kill a fly
I think it worked mom
I think I’m fine

Pray for my fifth of a cen­tu­ry
The start of the begin­ning
The light in my eyes
Not the tears that fall out«

- Tom­ber­lin in »Self-Help«

Eigent­lich bin ich kein gro­ßer Fan von zu viel Glau­ben und Reli­gi­on in Musik, doch da Tom­ber­lin ihren eige­nen Glau­ben hin­ter­fragt und wie sie damals und heu­te zur Kir­che steht, fin­de ich das The­ma in ihrer Musik wie­der­um sehr span­nend. Denn hin­ter all den Fra­gen nach dem Sinn, der Lie­be und dem Leben lässt sich die Fra­ge danach, wor­an man eigent­lich glaubt, nicht leug­nen. Wir haben uns das wahr­schein­lich alle schon­mal gefragt.

»I’m not Scared«

In »I’m not Sca­red« wer­den, neben dem Glau­ben, sehr vie­le ver­schie­de­ne The­men und Fra­gen auf­ge­wor­fen und ich kann nicht sagen, wor­um der Song unterm Strich han­delt. Aber ich möch­te euch trotz­dem mei­ne liebs­ten Text­stel­len aus dem Song zitie­ren, die alle sehr ver­schie­den und doch auch alle so wahr sind.

»My eyes are hea­vy all I want to do is sleep
But I need to make money and I need to eat
And loving never made any­bo­dy I know hap­py
loving only seems to make you brui­se and to bleed

And it felt so stran­ge when I said it out loud
That I look for redemp­ti­on in ever­yo­ne else
But fun­ny thing is that I always hated church
Spend so much time loo­king that I for­got to search

And to be a woman is to be in pain
And my body reminds me almost every day
That I was made for ano­t­her, but I don’t want to know that
Cau­se it hap­pen­ed once and I always look back«

- Tom­ber­lin in »I’m not Sca­red«

»Seventeen«

Den letz­ten Song, den ich aus dem Album her­vor­he­ben möch­te ist »Seven­te­en« — Plump gesagt, ein Song über die Lie­be. Ein Song der, wie ich, zwi­schen Hoch­zeits­bil­dern und trau­ri­gen Emo­jis steht.

»Only love the peop­le
Who don’t love you back
What is up with that?
Are you done with that?

I can’t say I’m much dif­fe­rent
Cau­se I still love you
I was blin­ded
And I’m still blin­ded

- Tom­ber­lin in »Seven­te­en«

Das Album »At Weddings«

Hört euch in Ruhe durch das Album durch und ich emp­feh­le, genau auf die Tex­te zu hören. Hof­fent­lich wirft es bei euch nicht noch mehr Fra­gen auf, als sowie­so schon vor­han­den.

© Titel­bild: Phil­ip Coso­res

* Affiliatelinks/Werbelinks

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2 Comments
  1. Antworten

    Christian Kahr

    August 18, 2018

    Ja das mit der Selbst­fin­dung, den Fra­gen des Lebens, ich glau­be das hört nie auf. Man wird auch noch mit 50 sich den Fra­gen glau­be ich stel­len müs­sen, denn das Leben spielt halt sei­ne Stü­cke, das Leben lebt und wir leben in ihm. btw. inter­es­san­tes Album.

  2. Antworten

    Lena B.

    August 18, 2018

    Ja, das habe ich mir beim schrei­ben des Arti­kels auch gedacht. Die­se Fra­gen wer­den wohl nie auf­hö­ren. Doch da ich noch kei­ne 50 bin und nicht weiß, wie es in dem Alter ist, hof­fe ich trotz­dem dar­auf, dass es irgend­wann anders sein wird 😀
    Vie­le Grü­ße und dan­ke für dei­nen Kom­men­tar!
    Lena

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